Zwischen Zahlen und Emotionen – und immer mit Blick auf das große Ganze
Emilia Grasl steht für eine neue Generation von Immobilienexpert:innen, die Fachwissen, Marktverständnis und persönliche Leidenschaft gekonnt verbinden. Seit über acht Jahren bewegt sie sich durch unterschiedlichste Marktphasen, hat Umbrüche miterlebt, die weit über die „Immo-Bubble“ hinaus Schlagzeilen machten, und dabei eines nie verloren: ihre Neugier auf das, was Immobilien wirklich ausmacht.
Vom Einstieg als Finanzierungsberaterin, wo sie Menschen bei der Verwirklichung ihres Lebenstraums vom Eigenheim begleitete, bis hin zur Investmentberatung bei CBRE Austria, wo sie heute komplexe Transaktionen steuert und Investoren durch anspruchsvolle Marktphasen navigiert – Emilias Karriereweg ist ebenso stringent wie vielseitig. Sie kennt die emotionale Seite von Immobilienentscheidungen genauso wie die harte Welt der Zahlen, Daten und Renditeerwartungen.
Im Gespräch mit ImmoStories gibt sie persönliche Einblicke in prägende Karrieremomente, spricht über Geduld, Mut und Zufall – und erklärt, warum sich nicht nur Eigennutzer:innen, sondern auch Investor:innen manchmal in ein Haus „verlieben“. Ein Interview über Ehrgeiz, ehrliche Kommunikation und die Frage, was junge Talente heute wirklich brauchen, um in der Immobilienbranche erfolgreich zu sein.
Emilia, wenn man deinen Lebenslauf betrachtet, sieht man einen sehr stringenten Karriereweg. Wie würdest du selbst deine bisherige Reise in der Immobilienbranche beschreiben?
Mit einem Wort: Vielfältig. Vor über 8 Jahren hat meine Karriere begonnen. In dieser Zeit habe ich in verschiedenen Rollen in sehr unterschiedlichen Marktlagen viele Situationen miterlebt und vor allem viel daraus gelernt. Eintönig wird es in der Branche nie, die in dieser Zeit stattgefundenen Umbrüche haben nicht nur die „Immo-Bubble“, sondern landesweite Titelseiten geprägt.
Gab es einen Moment, in dem dir klar wurde: Die Immobilienbranche ist genau mein Ding?
Eigentlich sind es ständige, wiederkehrende Momente: Und zwar jedes Mal, wenn ich mit Freunden oder Familie durch Wien spaziere und mir eine Immobilie auffällt, deren Hintergründe ich kenne, oder an denen beruflich mitgewirkt habe. Dann teile ich - meist ungefragt - meine Immo-Insights mit meinen Begleitern, was mittlerweile in meinem privaten Umfeld zu einem ein Running-Gag geworden ist.
Welche Fähigkeiten aus deiner Zeit als Finanzierungsberaterin helfen dir heute ganz konkret in der Investmentberatung bei CBRE?
Was leider oft zugunsten von Zahlen, Daten und Fakten in den Hintergrund rückt, aber gerade in der Finanzierungsberatung von Privatkunden eine enorm große Rolle spielt, ist die emotionale Komponente. Diese aktiv in Entscheidungsprozessen zu berücksichtigen, zeigt seinem Gegenüber, dass man es ernst meint und Sorgen und Probleme versteht. Obwohl das Investmentgeschäft naturgemäß zahlengetrieben ist, kann bei spezielleren Objekten - wie beispielsweise - geschichtsträchtigen Zinshäusern in Wien die emotionale Komponente eine entscheidende Rolle spielen. Auch Investoren „verlieben“ sich in Häuser.
Wenn du auf deine bisherigen Stationen zurückblickst: Welche Rolle hat dich persönlich am meisten geprägt – und warum?
Mein Einstieg in die Immobilienbranche in der Rolle als Finanzierungsberaterin war für mich bis dato die prägendste. Die Schaffung von privatem Eigentum ist für viele Menschen ein einmaliger Lebenstraum. So früh in der Karriere an so vielen verschiedenen Lebensträumen mitzuwirken war etwas Besonderes. Der Konnex von Zahlen und Emotionen hat mich dazu motiviert mich mit der Immobilie an sich in all ihren Facetten intensiver zu beschäftigen. Ich betrachte meine Zeit in dieser Rolle als Grundstein meiner Karriere ohne den ich heute nicht im Investmentbereich tätig wäre.
In deiner aktuellen Position bei CBRE Austria begleitest du Investoren bei wichtigen Entscheidungen. Was macht für dich eine gute Investmentberatung heute aus?
Heute – und damit speziell in der aktuellen Marktphase – sehe ich offene und ehrliche Kommunikation zwischen Investmentberater und Investor als essenziell an. Die Preiserwartungen von Käufer und Verkäufer divergieren aktuell verstärkt und in der Rolle als Beraterin sehe ich es als entscheidende Verantwortung mit beiden Seiten einen offenen und ehrlichen, und damit oft kritischen, Austausch zu pflegen. Nur so kann im Endeffekt der bestmögliche Output für alle Beteiligten erzielt werden.
Der Immobilienmarkt ist im Wandel. Welche Fähigkeiten brauchen junge Professionals aus deiner Sicht, um langfristig erfolgreich zu sein?
Eigenschaften, von denen ich im beruflichen Kontext profitiert habe, sind Neugierde und Kreativität. Gerade in der aktuellen Marktlage, die alles andere als geradlinig ist, profitiert man von diesen Eigenschaften und hat die Chance aktiv das Marktumfeld mitzugestalten.
Du hast parallel zur Berufstätigkeit einen Master in Real Estate Management absolviert. Wie wichtig war diese akademische Vertiefung für deinen nächsten Karriereschritt?
Ohne den Master hätte sich mein Horizont vermutlich nicht in dieser Geschwindigkeit erweitert. Das Studium hat mir gleich zu Beginn gezeigt, dass es noch so viel mehr in der Branche zu sehen gibt, einerseits durch die Inhalte und andererseits durch die Menschen, die ich kennenlernen durfte – aus jedem Bereich war jemand vertreten und die Kontakte bestehen bis heute. Es war ein entscheidender Inkubator für meinen Ehrgeiz, den Immobilienbereich umfassend kennenzulernen. So wurde es ein doppelter Antrieb für meinen Wissens- und Erfahrungszuwachs, einerseits natürlich im Studium, andererseits im Job.
Was würdest du deinem jüngeren Ich – am Beginn der WU-Zeit – heute raten?
Sich in Geduld zu üben. Mir wurde auf den Weg gegeben, dass alles so im Leben kommt, wie es kommen soll und als junger ambitionierter – aber eben auch ungeduldiger – Mensch, verliert man diesen Leitspruch manchmal aus den Augen. Es ist vollkommen in Ordnung am Anfang seines Studiums nicht zu wissen, wo man in einem Jahr - oder manchmal sogar in einer Woche - steht. Es ergeben sich (berufliche) Chancen im Leben, die man einfach nicht von Anfang an einkalkulieren kann - Raum für Zufall darf bestehen.
Viele junge Talente möchten in die Immobilienbranche einsteigen, wissen aber nicht genau, wo. Welche ersten Schritte empfiehlst du?
Für mich hat der Weg mit einem Sommerpraktikum begonnen. Aus dem Praktikum wurde mit 3,5 Jahren meine erste „richtige“ berufliche Station. Ein Praktikum kann ich jedem empfehlen, der ein Gefühl für einen Teil der Branche erhalten möchte. Sämtliche Berufserfahrungen neben dem Studium haben mich in der Entscheidung in der richtigen Branche angekommen zu sein, bestätigt. Ich kann es jedem nur ans Herz legen früh seine Interessen zu erproben, um so auf den Weg zu kommen, der sich gut und richtig anfühlt. Neben Berufserfahrungen rate ich außerdem dazu Fachveranstaltungen zu besuchen und sich mit Menschen aus der Branche zu unterhalten, um möglichst viele Eindrücke zu bekommen.
Und zum Abschluss: Was motiviert dich persönlich jeden Tag aufs Neue, in dieser Branche zu arbeiten?
Die abwechslungsreichen Situationen und Menschen, die mir in meinem Berufsalltag begegnen. Es gibt unzählige Szenarien und Motive warum und wie Menschen/Unternehmen in Immobilien investieren – das macht die Arbeit unvorhersehbar und spannend!
Liebe Emilia, vielen Dank für die offenen Einblicke in deinen Karriereweg und deine persönlichen Learnings. Deine Erfahrungen und Perspektiven sind eine wertvolle Inspiration für alle, die ihren eigenen Weg in der Immobilienbranche gestalten möchten.
Persönlicher Steckbrief - Emilia Grasl
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0815-Antwort: beim Sport. Am liebsten immer etwas Neues – von Marathon, bis hin zu Rennrad, Pilates oder Yoga.
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