„Wer nur mit dem Taschenrechner anrückt, hat schon verloren“ – Patrick Schwarzl über Immobilien, Menschen und den Mut zur Selbstständigkeit
Patrick Schwarzl kennt die Immobilienbranche aus unterschiedlichen Perspektiven: vom Customer Care über den Vertrieb bis hin zur Verantwortung für An- und Verkauf bei einem renommierten Bauträger. Heute führt er mit Schwarzl Invest sein eigenes Unternehmen – und bringt dabei fast zwei Jahrzehnte Branchenerfahrung mit. Im Gespräch erzählt er, warum Immobilien für ihn weit mehr sind als Zahlen und Quadratmeter, welche Rolle Vertrauen und Handschlagqualität in seinem Geschäftsverständnis spielen und weshalb echte Deals immer auch eine menschliche Komponente brauchen.
Patrick, wenn man deinen Werdegang betrachtet, zieht sich ein roter Faden durch fast 20 Jahre Immobilienbranche. Gab es einen Moment, in dem dir klar wurde: Das ist meine Branche?
Was viele nicht wissen: Ich bin eigentlich ein klassischer Quereinsteiger. Ursprünglich war eine Laufbahn in der IT geplant, die mich zur Firma Lexunited führte – dem ersten Unternehmen der heutigen Roland Schmid Group. Damals waren wir ein so kleines, familiäres Team, dass meine Aufgaben weit über die IT hinausgingen. Die IMMOunited steckte noch in den Kinderschuhen und über den Customer Care hatte ich plötzlich täglich Kontakt zu Maklern, Bauträgern und Bewertern. Da habe ich schnell gemerkt: Die Materie fasziniert mich und die Arbeit mit den Menschen liegt mir einfach. Mit Roland Schmid hatte ich zudem einen Mentor, der dieses Potenzial gesehen und gefördert hat. In dieser Zeit habe ich zum ersten Mal gespürt: Hier bin ich richtig, hier fühle ich mich angekommen.
Du sagst, du brennst für Immobilien – und für die Menschen dahinter. Woher kommt diese starke persönliche Verbindung zu deinem Beruf?
Ich glaube, das liegt daran, dass Immobilien niemals nur aus Ziegeln bestehen. Jede Wohnung, jedes Haus ist ein Schauplatz für ein Leben. In meinen Anfängen im Customer Care habe ich gemerkt, wie viel es den Menschen bedeutet, wenn man ihre Anliegen ernst nimmt und echte Lösungen schafft. Für mich ist ein Deal erst dann wirklich gut, wenn nicht nur die Zahlen stimmen, sondern auch die Menschen dahinter mit einem guten Gefühl in ihr neues Kapitel starten. Es ist diese Mischung aus handfester Substanz und dem Vertrauen, das einem entgegengebracht wird – das gibt mir die Energie für diesen Job.
Was fasziniert dich bis heute an Immobilien, obwohl du die Branche aus so vielen Perspektiven kennst?
Ganz klar: Mein Herz schlägt für den Altbau, für das klassische Wiener Zinshaus. Es ist diese einzigartige Symbiose aus massiver, historischer Substanz und dieser unglaublichen Detailverliebtheit früherer Epochen. Auch nach 20 Jahren fasziniert es mich immer wieder, wie diese Gebäude Geschichten erzählen und gleichzeitig die Basis für modernes Wohnen bieten können. Das hat für mich eine Beständigkeit, die man in kaum einer anderen Branche findet.
Du hast deine Karriere nicht klassisch gestartet, sondern über Vertrieb und Customer Care. Wie sehr hat dieser Zugang deinen Blick auf Immobilien geprägt?
Mir haben die schwierigsten Fälle im Customer Care immer am meisten Spaß gemacht. Die herausforderndsten Probleme zu lösen und den Kunden mit einer maßgeschneiderten Lösung und einem Lächeln zu verabschieden – das waren die Momente, die mich jeden Tag aufs Neue angetrieben haben. Dieser Zugang hat meinen Blick auf Immobilien nachhaltig geprägt: Ich sehe nicht nur Zahlen oder Ziegel, sondern immer die Menschen und ihre individuellen Bedürfnisse dahinter. Im Vertrieb und Customer Care lernt man von der Pike auf, dass Kommunikation und echte Problemlösungskompetenz oft wichtiger sind als das reine Produkt.
Welche Learnings aus deiner Zeit bei IMMOunited und Grossmann+Kaswurm Immobilien begleiten dich noch heute als Geschäftsführer eines eigenen Unternehmens?
Ich hatte das irrsinnige Glück, dass ich mit Roland Schmid und Peter Kaswurm gleich zwei großartige Mentoren an meiner Seite hatte. Diese Zeit war für mich weit mehr als nur ein Job – es war die ideale Schule für alles, was danach kam. Von beiden habe ich auf unterschiedliche Weise gelernt, was es wirklich bedeutet, unternehmerisch zu denken und Verantwortung zu übernehmen. Das begleitet mich bis heute in jeder Entscheidung für mein eigenes Unternehmen. Es war für mich rückblickend das perfekte Fundament, um 2024 den Schritt in die Selbstständigkeit zu wagen.
Der Wechsel vom Immobilien-IT-Dienstleister zu einem renommierten Bauträger war ein großer Schritt. Was war dabei die größte Herausforderung – fachlich oder menschlich?
Ich wusste natürlich genau, worauf ich mich einlasse und hatte klare Ideen im Kopf, die ich unbedingt umsetzen wollte. Nach zwölf Jahren bei IMMOunited kannte ich die Datenseite und das Grundbuch in- und auswendig – das war mein Heimspiel. Die eigentliche Herausforderung war dann der direkte Wechsel in die operative Welt des Bauträger- und Projektentwicklungsgeschäfts. Plötzlich stehst du vor einem Team, das dir die Praxis erklärt, während du gleichzeitig deine Visionen einbringst und beginnst, die bestehenden Prozesse zu optimieren. Diese zwei Welten erfolgreich zusammenzuführen und daraus einen gemeinsamen neuen Weg zu formen, war fachlich wie menschlich eine extrem spannende Zeit.
Du warst sowohl für Ankauf als auch Verkauf verantwortlich. Wie hilft dir dieses „beide Seiten verstehen“ heute im Umgang mit Eigentümer:innen und Investor:innen?
Meine große Leidenschaft war immer der Ankauf. Dabei geht es eben nicht nur um nackte Zahlen, Daten und Fakten, sondern um eine tiefere, emotionale Komponente, die man in dieser Form eigentlich nur im Austausch mit Privatpersonen findet. Man kauft ja nicht nur Quadratmeter, sondern oft ein Lebenswerk oder ein Stück Familiengeschichte. Durch die Marktveränderungen ist dann aber auch der Verkauf massiv in den Fokus gerückt, wodurch sich mein Aufgabenfeld erweitert hat. Ich durfte diese Seite extrem intensiv kennenlernen und habe gemerkt, dass erst die Kombination aus beidem das Bild wirklich komplett macht. Heute hilft mir genau das: Ich kann den gesamten Markt abbilden. Ich verstehe die emotionale Ebene des Verkäufers genauso gut wie die harten Anforderungen eines Investors. Dieses ‚beide Seiten verstehen‘ ist heute mein größter Vorteil, um Deals abzuschließen, bei denen sich am Ende alle Beteiligten abgeholt fühlen.“
2024 hast du Schwarzl Invest gegründet. Was war der ausschlaggebende Moment, den Schritt in die Selbstständigkeit zu wagen?
Ich hatte schon sehr früh diesen Vorsatz: ‚Mit 30 mache ich mich selbstständig‘ – lange bevor ich überhaupt wusste, womit eigentlich. Dann war ich plötzlich – und völlig überraschend – wirklich 30. Nur war die Welt gerade eine andere: Die Zinsen stiegen zum ersten Mal massiv an und die gesamte Branche war in Schockstarre. Es fühlte sich einfach nicht richtig an, Grossmann+Kaswurm in dieser kritischen Phase zu verlassen, während wir vor völlig neuen Herausforderungen im Verkauf standen. Rückblickend bin ich für diese schwierige, aber unfassbar lehrreiche Zeit extrem dankbar. Mit 32 war es dann schließlich so weit: Die Rahmenbedingungen waren zwar immer noch fordernd, aber es hat sich einfach nach dem perfekten Zeitpunkt angefühlt, den Startschuss zu setzen.
Was machst du heute bewusst anders als in deinen früheren Führungsrollen?
Ehrlicherweise bin ich meiner Arbeitsweise absolut treu geblieben. Ich habe schon früher in Führungspositionen immer so agiert, als wäre es mein eigenes Unternehmen. Das war für mich nie ein bloßer Job, sondern immer eine persönliche Verantwortung. Natürlich verschieben sich die Ansichten ein Stück weit, wenn am Ende des Tages tatsächlich der eigene Name an der Tür steht – aber der Kern ist heute genau derselbe wie früher
Welche Werte waren dir beim Aufbau deines eigenen Unternehmens besonders wichtig – und warum?
Handschlagqualität. Das klingt vielleicht altmodisch, aber für mich ist es das Fundament. In einer Branche, die immer digitaler und komplexer wird, ist Vertrauen die härteste Währung. Ich will kein Unternehmen führen, das sich hinter Paragrafen versteckt. Wenn ich jemandem in die Augen schaue und wir uns einig sind, dann gilt das. Punkt. Das spart nicht nur Zeit und Nerven, sondern macht die Zusammenarbeit auch viel entspannter und persönlicher.
Viele Eigentümer:innen stehen beim Verkauf vor emotionalen Entscheidungen. Wie schaffst du es, Professionalität und Empathie in Balance zu halten?
Ganz einfach: Zuhören. Hinter jeder Immobilie steckt eine Geschichte, oft über Generationen hinweg. Wer da nur mit dem Taschenrechner anrückt, hat schon verloren. Für mich ist jeder Eigentümer und jedes Objekt individuell – genau das macht meinen Job ja so spannend. Nur wer am Ende wirklich versteht, was den Menschen bewegt, findet auch eine Lösung, die wirklich perfekt passt. Es geht darum, fachliche Sicherheit zu geben, ohne das menschliche aus den Augen zu verlieren.
Nach fast zwei Jahrzehnten Erfahrung: Was wird deiner Meinung nach in der Immobilienbranche häufig unterschätzt?
Die psychologische Komponente und die Kraft echter Beständigkeit. In einer Branche, in der es oft um riesige Summen und schnelle Abschlüsse geht, unterschätzen viele, dass am Ende immer Menschen die Entscheidungen treffen – nicht Excel-Tabellen. Oft wird geglaubt, dass ein Deal nur über den Preis oder harte Fakten gewonnen wird. Aber was wirklich zählt, ist das Vertrauen, das man sich über Jahre hinweg mühsam aufbaut und das man in Sekunden verspielen kann. Auch die Ausdauer wird oft unterschätzt. Viele suchen den schnellen Erfolg, aber wirklich erfolgreich bist du in dieser Branche nur, wenn du auch dann noch da bist und zu deinem Wort stehst, wenn der Markt gerade mal Kopf steht. Diese menschliche Verlässlichkeit ist am Ende des Tages das, was den Unterschied macht.
Welche Fähigkeiten werden in Zukunft entscheidend sein, um langfristig erfolgreich zu sein – unabhängig von Marktzyklen?
Ich glaube, die wichtigste Fähigkeit wird die Anpassungsfähigkeit sein, ohne dabei den eigenen Kern zu verlieren. Wir sehen, wie schnell sich Märkte und Technologien drehen. Man muss heute eine gewisse IT-Affinität und Datenkompetenz mitbringen, um den Markt wirklich lesen zu können. Aber – und das ist das entscheidende Aber: Je digitaler und automatisierter die Branche wird, desto wichtiger wird die soziale Kompetenz. Empathie, echtes Zuhören und die Fähigkeit, komplexe Situationen menschlich zu lösen, lassen sich nicht durch Algorithmen ersetzen. Wer es schafft, moderne Tools als Werkzeug zu nutzen, aber im Kern ein verlässlicher Partner mit Handschlagqualität bleibt, wird immer erfolgreich sein – egal, ob der Markt gerade oben oder unten ist
Was würdest du jungen Menschen raten, die heute in die Immobilienbranche einsteigen möchten?
Mein wichtigster Rat: Seid bereit, die Extra-Meile zu gehen und lernt vor allem, zuzuhören – auch wenn man in jungen Jahren am liebsten die ganze Welt im Sturm erobern möchte. Wer glaubt, die Branche bestünde nur aus schnellen Autos und noch schnelleren Provisionen, wird spätestens beim ersten komplizierten Objekt unsanft auf dem Boden der Tatsachen landen. Ganz wichtig: Unterschätzt niemals die Macht des persönlichen Kontakts. Ein Kennenlernen bei einem Kaffee ist oft mehr wert als 500 automatisierte E-Mails. Also: Bleibt neugierig, seid fleißig und lernt, auch mal ein ‚Nein‘ mit Humor zu nehmen. Wer Durchhaltevermögen beweist, für den ist das hier der schönste Job der Welt.“
Persönlicher Steckbrief - Patrick Schwarzl
Deine Arbeitsweise in drei Worten
Strukturiert, genau, lösungsorientiert
Wenn ich nicht mit Immobilien arbeite, dann …
… tausche ich Zinshäuser gegen Sportplatz, Natur oder ein gutes Glas Wein.
Ein Vorsatz für 2026 …
Jeden Tag eine Version von mir zu sein, auf die mein 2025er-Ich stolz anstoßen würde.
Lieblingspodcast?
Ich verfolge unsere Branchen-Podcasts, um am Ball zu bleiben – da gibt es immer wieder sehr spannende Inhalte. Nach einem Arbeitstag voller Gespräche ist für mich das Offline-Sein aber dann manchmal das wahre Highlight. Einfach mal komplett abschalten, ganz ohne Input und Dauerbeschallung – das ist mein persönlicher Luxus für einen klaren Kopf