Die Immobilienbranche lebt von Persönlichkeiten, die Märkte nicht nur analysieren, sondern aktiv gestalten. Julian Forster, Geschäftsführer der ADOLF WEBER AUSTRIA GmbH, hat in seiner Laufbahn alle drei Treuhänderberufe durchlaufen – von der Verwaltung über die Vermittlung bis hin zur Projektentwicklung. Diese breite Erfahrung prägt heute seinen unternehmerischen Blick auf Gewerbeimmobilien in Österreich.
Im Gespräch mit ImmoStories spricht er über prägende Karrierestationen, die Verantwortung für den ersten eigenen Standort und darüber, warum unternehmerisches Denken in der Immobilienwirtschaft entscheidender ist als jedes Lehrbuchwissen. Zudem gibt er Einblicke in die Entwicklung des österreichischen Gewerbeimmobilienmarkts, aktuelle Standorttrends rund um Wien und die Kompetenzen, die junge Talente heute mitbringen sollten.
Ein Interview über Weitblick, Verantwortung – und die Frage, wie nachhaltiger Erfolg in einer dynamischen Branche wirklich entsteht.
Ihr beruflicher Weg führte Sie von der Immobilienverwaltung über die Vermittlung bis hin zur Projektentwicklung und Geschäftsführung. Welche Station war rückblickend besonders prägend?
Ich hatte glücklicherweise die Möglichkeit in alle drei Treuhänderberufe einzutauchen und konnte aus allen drei Stationen tolle Erfahrungen mitnehmen. Die Projektentwicklung war definitiv die prägendste Station, da man von der ersten Idee bis zur Fertigstellung alles abdeckt. Dieser unternehmerische Aspekt und die Verantwortung für ein gesamtes Projekt haben meinen Blick auf Immobilien nachhaltig verändert.
Gab es einen Moment in Ihrer Karriere, der Ihre Sicht auf Immobilien oder Führung grundlegend verändert hat?
Ja, insbesondere die Verantwortung für den ersten Unternehmensstandort. In dem Moment, in dem man nicht nur berät, sondern selbst wirtschaftlich und strategisch verantwortlich ist, verändert sich die Perspektive. Man beginnt stärker langfristig zu denken, Risiken differenzierter zu bewerten und Entscheidungen konsequent aus unternehmerischer Sicht zu treffen.
Sie haben sowohl ein wirtschaftliches Bachelorstudium als auch einen spezialisierten Master an der TU Wien absolviert. Wie wichtig ist aus Ihrer Sicht akademische Ausbildung in der Immobilienbranche?
Eine fundierte akademische Ausbildung ist eine gute Basis, da sie wirtschaftliche Zusammenhänge und Inhalte vermittelt. Gleichzeitig ist die Immobilienbranche meiner Meinung nach praxisgetrieben, das Studium ist ein wichtiger Ausgangspunkt, aber entscheidend ist, wie schnell man Verantwortung übernimmt und praktische Erfahrung sammelt.
Welche Fähigkeiten lassen sich Ihrer Meinung nach nicht an der Universität lernen, sind aber entscheidend für eine Karriere in der Immobilienwirtschaft?
Unternehmerisches Denken, Verhandlungsgeschick und ein gutes Gespür für Menschen und Märkte. Viele Entscheidungen basieren nicht nur auf Zahlen, sondern auf Erfahrung, Intuition und der Fähigkeit, Chancen und Risiken richtig einzuordnen.
Wie würden Sie den österreichischen Gewerbeimmobilienmarkt aktuell beschreiben – und wo unterscheidet er sich wesentlich vom deutschen Markt?
Der österreichische Markt ist kleiner und stärker lokal geprägt. Entscheidungswege sind oft kürzer und persönlicher. Im Vergleich zu Deutschland ist das Angebot begrenzter, jedoch sehe ich für insbesondere den Wiener, Grazer und Linzer Markt noch viel Potential für moderne Gewerbeparks.
Welche Regionen rund um Wien sind aus Ihrer Sicht derzeit besonders spannend für Gewerbeparks?
Besonders interessant sind die südlichen und südöstlichen Lagen Wiens, wie Wiener Neudorf, Traiskirchen oder die Achse entlang der A4. Diese Standorte bieten eine sehr gute Verkehrsanbindung und profitieren von der Nähe zur Stadt sowie zur internationalen Logistikachse Richtung Osteuropa.
Welche Standortfaktoren sind für Adolf Weber bei neuen Projekten in Österreich entscheidend?
Die Verkehrsanbindung, insbesondere die Nähe zu Autobahnen, ist ein zentraler Faktor. Ebenso wichtig sind eine gute Erreichbarkeit für Mitarbeiter, eine wirtschaftlich starke Umgebung sowie langfristiges Entwicklungspotenzial des Standorts.
Adolf Weber ist vor allem für die Entwicklung von Gewerbeparks bekannt. Welche Assetklassen stehen aktuell im Fokus – und warum?
Unser Fokus liegt klar auf Gewerbeparks und Light-Industrial-Immobilien. Diese Assetklasse zeichnet sich durch eine breite Nutzerbasis, stabile Nachfrage und langfristige Perspektiven aus. Insbesondere durch strukturelle Veränderungen in Logistik, Produktion und urbaner Versorgung gewinnt dieser Bereich weiter an Bedeutung.
Wie verändern sich die Anforderungen der Nutzer:innen an Gewerbeimmobilien, insbesondere in Zeiten von Kostenbewusstsein und Flexibilität?
Flexibilität ist ein zentraler Faktor geworden. Nutzer legen großen Wert auf modulare Flächen, effiziente Grundrisse und langfristig planbare Kosten. Gleichzeitig gewinnen Themen wie Energieeffizienz und Betriebskosten zunehmend an Bedeutung.
Sehen Sie aktuell neue Assetklassen oder hybride Nutzungskonzepte, die künftig stärker an Bedeutung gewinnen könnten?
Ja, insbesondere hybride Konzepte, die Produktion, Lager, Büro und Service kombinieren. Diese ermöglichen es Unternehmen, mehrere Funktionen an einem Standort zu bündeln und dadurch effizienter zu arbeiten.
Adolf Weber wächst in Österreich - welche Profile und Kompetenzen suchen Sie aktuell für Ihr Team?
Wir suchen vor allem unternehmerisch denkende Persönlichkeiten mit Eigeninitiative. Neben fachlicher Kompetenz sind insbesondere Engagement, Flexibilität und Teamfähigkeit entscheidend.Zum Arbeitgeberprofil
Welche Entwicklungsmöglichkeiten bietet Adolf Weber jungen Talenten und erfahrenen Immobilienprofis am Standort Wien?
Wir bieten die Möglichkeit, früh Verantwortung zu übernehmen und aktiv an Projekten mitzuwirken. Durch unsere Wachstumsstrategie ergeben sich sehr gute Perspektiven, sich sowohl fachlich als auch persönlich weiterzuentwickeln.
Welchen Rat würden Sie jungen Menschen geben, die heute eine Karriere in der Gewerbeimmobilienbranche anstreben?
Früh praktische Erfahrung sammeln und neugierig bleiben. Die Immobilienbranche bietet enorme Chancen für unternehmerisch denkende Menschen, die langfristig Werte schaffen möchten.
Vielen Dank für die spannenden Insights. Wir wünschen weiterhin viel Erfolg und Freude.
Wo und wie tanken Sie Energie?
Beim Sport, insbesondere beim Tennis, und in den Bergen. Bewegung hilft mir, den Kopf freizubekommen und neue Perspektiven zu gewinnen.
Einzel oder Doppel – auf dem Platz und im Berufsleben?
Eine Mischung aus beidem. Erfolg entsteht meist im Team, aber es ist ebenso wichtig, selbst immer das Beste zu geben und auch mal alleine eine extra Meile zu gehen.
Ihre Definition von Erfolg?
Erfolg spiegelt sich für mich in vielen Lebensbereichen wider. Für mich zeichnet sich ein erfolgreicher Mensch dadurch aus, seiner Karriere, seiner Familie und seinen Freunden gleichermaßen Aufmerksamkeit zu schenken und eine nachhaltige Balance zwischen diesen Bereichen zu schaffen. Dabei geht es nicht nur um berufliche Meilensteine, sondern auch um persönliche Zufriedenheit.
Private Anlage – Aktien vs. Betongold?
Eine ausgewogene Mischung.
Welche App ist für Sie unverzichtbar?
WhatsApp.
Eine Frage, die Sie zurzeit beschäftigt?
Wie sich die aktuellen wirtschaftlichen und geopolitischen Rahmenbedingungen mittel- und langfristig auf die Immobilienbranche auswirken.
Welchen Beruf hätten Sie, wenn es die Immobilienbranche nicht mehr geben würde?
Ich würde mich im Gastrobereich wiederfinden oder hätte eine eigene Tennisschule in wärmeren Gefilden.